88.

Ich drückte mich in die enge Nische zwischen Schrank und Wand. Die schweren Schritte auf dem Flur entfernten sich. Meine Angst vor dem Eindringling war größer, als die panische Angst, die ich vor Spinnen hatte. Unter normalen Umständen hätte ich mich niemals, never ever, in diese Nische gequetscht. Ich lauschte angespannt. Die Haustür fiel krachend ins Schloss. Eine Dreistigkeit, dachte ich, es scheint ihm überhaupt nichts auszumachen, gesehen zu werden. Ich verließ mein Versteck und rief die Polizei.

„Fehlt etwas?“

Kommissar XXXXXX sah mich aufmerksam an. Ich nickte und wischte mir ein paar Tränen von den Wangen.

„Ja, der Ring meines Vaters. Ein Erbstück, seit Generationen im Besitz unserer Familie.“

„Sonst nichts?“

Ich schüttelte den Kopf. Ich musste den Ring zurückbekommen. Unbedingt!

87.

Story-Idee

  • Eine WG sucht neue Mitbewohner
  • Eine Frau zieht ein, die ein Verhältnis mit dem Freund einer Mitbewohnerin hat (der aber nicht in der WG wohnt)
  • Die Frau weiß das aber nicht, da sich der Mann als Single ausgegeben hat

86.

„Valentinstag ohne Date“, ich hörte das Bedauern in Sannes Stimme.

„Ich bitte dich, das ist doch ein Tag wie jeder andere Kommerz ohne Ende.“

„Trotzdem, ich finde du solltest dich mal wieder ins Leben und die Liebe stürzen.“

Ich zuckte mit den Schultern. Liebe wurde weit überschätzt. Am liebsten hätte ich Sanne meine Meinung gesagt, aber diese elende Diskussion hatten wir so oft, und heute hatte ich keine Lust dazu.

„Sei nicht sauer, ich muss los“, ich umarmte sie, „ich wünsche dir viel Spaß!“

„Wir sehen uns morgen.“

Ich nickte ihr zu und verließ die Wohnung. Das Taxi wartete schon.

„Hallo Colja, schön, dass du mich fährst“, freute ich mich.

Er lächelte.

„Du weißt doch, wenn ich es einplanen kann, immer.“

„Danke“, sagte ich und gab ihm die Adresse. „Wartest du auf bitte auf mich? Ich könnte einen Freund brauchen, wenn das Gespräch vorüber ist.“

Unsere Blicke begegneten sich im Rückspiegel. Er brauchte nichts zu sagen, sein Blick sagte alles. Ich war umso erleichterter, dass Colja mich begleitete, als ich in wenigen Minuten einem Menschen gegenüber stehen würde, den ich abgrundtief hasste.

85.

Sandra und Maria betrachteten sich begeistert in dem großen Flurspiegel. Beide waren als Prinzessin verkleidet.

„Niemand wird uns auseinanderhalten können“, Sandra sah ihre Schwester mit einem breiten Grinsen an.

„Hauptsache wir finden unsere Prinzen“, Maria zupfte an ihrem Ausschnitt herum.

„Wenn nicht, was solls? Selbst ist die Frau“, wischte die resolute Sandra den Einwand hinweg.

Sandra nahm Marias Arm.

„Komm“, sie gingen die Treppe zum Ballsaal hinauf, „alles wird wunderbar.“

Der livrierte Diener streckte die Hand aus und Maria übergab ihm die Einladung. Er warf einen kurzen Blick darauf, nickte und ein weiterer Diener öffnete die Tür zum Saal. Sandra strahlte und zog Maria hinter sich her.

„Schau dir das an! Umwerfend.“

Auf der riesigen Tanzfläche unter gleißenden Kronleuchtern tanzten weitere Prinzen und Prinzessinnen, andere standen am Rand, stranken Champagner und redeten. Das Orchester saß auf einer Emphore und spielte Wiener Walzer.

„Ich glaube dort drüben sind sie.“

Maria deutete auf eine Gruppe junger Männer, die lachend die Köpfe zusammensteckte und ins Gespräch vertieft waren.

„Dann lass uns die Herren genauer betrachten.“

Sandra steuerte direkt auf die Gruppe zu.

„Nicht so schnell“, hielt Maria ihre Schwester zurück. „Lass es uns langsam angehen.“

„Langsam“, Sandra lachte und auf ihrem hübschen Gesichten sich zeigten sich zwei scharmante Grübchen, „komm, trau dich, alles wird gut.“

 

84.

Dieser Tag fing nicht gut an – zuerst kam ich zu spät ins Büro, weil meine Armbanduhr kaputt war und ich mich beim Bäcker verquatschte. Dann wollte mein Chef einen Pfefferminz-Bonbon, frischer Atem vor der Präsentation, um mich zu umarmen! Das allein war schon schräg, aber die Umarmung dauerte etwas zu lange, dabei glitt seine Hand ganz sanft in Richtung meines unteren Rückens. Zum Glück klingelte das Telefon und beendete diesen merkwürdigen Moment.

 

 

83.

Mandy lag auf der rosa Gymnastikmatte und schnaufte wie ein Walross. Dies blöde Gymnastik, dachte sie, Sport ist Mord. Sie drehte sich auf die Seite und wollte aufstehen, als sie unter dem Bett etwas merkwürdiges Ding bemerkte. Mandy robbte näher an das haarige Etwas heran. Sieht aus wie ein riesiges Kuscheltier, überlegte sie, aber wer hat es dorthin gelegt und warum? Vorsichtig streckte sie eine Hand aus und stubste Es mit dem Zeigefinger an. Es rührte sich nicht. Mandy stubste nochmal. Es gab ein leises Geräusch von sich und drehte sich langsam um. Zwei riesige grüne Augen sahen Mandy an.

„Lass das!“, sagt es dann.

„Du kannst reden?“

„Na klar, wieso nicht?“

„Weil, weil“, Mandy suchte nach Worten, „weil du ein – was bist du?“

„Keine Ahnung was ich in deiner Welt bin.“

Mandy sah das Wesen verständnislos an.

„Ach übrigens, eine sehr interessante Lektüre. In deiner Welt ist ja eine Menge los.“

Das Wesen hielt Mandy ihr Tagebuch hin. Sie schnappte nach Luft.

„Du liest in meinem Tagebuch? Ich fasse es nicht. Das ist geheim, das tut man nicht, in unserer Welt.“

„In unserer auch nicht, aber das hat noch keinen daran gehindert es zu tun.“

Mandy riss dem Wesen ihr Buch aus der Hand.

„Komm da jetzt raus oder willst du da liegen bleiben?“, sagte Mandy ungnädig.

„Nein, wenn du mir einen Tee anbietest.“

„Ok“, gab Mandy sich geschlagen, „und du erzählst mir dafür, wie du hier her gekommen bist.“

„Wenn ich das wüsste, wäre ich schlauer“, murmelte das Wesen und kroch unter dem Bett hervor.

82.

Sanne hatte das Auto so geparkt, dass sie den Eingang von Andreas Haus mit dem Fernglas gut erkennen konnte. Von Martin war nichts zu sehen, aber Sanne hatte das ungute Gefühl, dass er bei ihr war, auch wenn er gestern alles geleugnet hatte. Martin vermied es im Allgemeinen Überstunden zu machen, er wollte seinem Chef kein Geld in den Rachen werfen, und nun schon das zweite Mal diese Woche.

Sanne wollte ihre Observation beenden, immerhin lag sie schon seit mehr als zwei Stunden auf der Lauer, da sah sie ein Pärchen auf der anderen Straßenseite. Das könnten sie sein, schoss es ihr durch den Kopf. Sie richtete das Fernglas aus. Die Frau war nicht Andrea. Sanne wollte erleichtert aufatmen, als sie Martin erkannte. Also doch, Wut stieg in ihr auf, Sanne betrachtet die Frau genauer. Verdammt! Es war nicht Andrea, sondern Ina, Andreas kleine Schwester.